Kinotagebuch: Reality (2023)

Als Stilübung sicherlich halbwegs interessant und politisch sowieso wichtig. Aber für mich wollte REALITY unterm Strich zu nichts überaus Stimmigem zusammenkommen. Die strenge Text- und ich nehme an auch Tonfalltreue lassen den Film wie Marionettentheater wirken. Alles spricht und bewegt sich wie auf Schienen, das Warten der Figuren auf ihren jeweiligen Einsatz liegt dröhnend über allem.

Jedoch gelingt über diese durch Form erzeugte Strenge auch etwas: Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Effekt des hier abgebildeten Prozesses wird unübersehbar. Der angebliche Schutz der Demokratie erreicht in seiner Rigorosität paradoxerweise das genaue Gegenteil. Aber die Zahnräder im System kennen nur eine Richtung und unverrückbare Prinzipien. Wer die Richtung überdenken oder auch nur leicht das eigene Drehmoment ändern will, bringt das komplette Getriebe zum Kollaps.

Wer Whistleblower*innen keinen Schutz gewährt und eine unabhängige kritische Presse zu Steigbügelhalter*innen der Demokratiefeind*innen erklärt, wird selbst zur Demokratiefeind*in.

★★½☆☆