Gesehen: Chinesisches Roulette (1976)

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Wie klar, zielsicher und ohne Gefangene zu nehmen Fassbinder hier das Bürger*innentum aufbricht, dabei dessen moralische Verkommenheit freilegt, es vorführt und an der scheinheiligen Nase durch den Ring zieht, das hat mich regelrecht umgehauen.

Die Anordnung des Films hat mich oft an Marco Ferreris LA GRANDE BOUFFE (1973), Pier Paolo Pasolinis SALÒ O LE 120 GIORNATE DI SODOMA (1975) und den späteren Michael Haneke denken lassen – dieses Gefangensein an einem Ort, an dem der grässlichen Fratze der Wahrheit nicht mehr ausgewichen werden kann, an dem jede*r beim Versuch den eigenen Kopf über Wasser zu halten im Zweifelsfall jede*n ertrinken lassen würde.

Fassbinder zeigt ein Deutschland, das untergehen hätte sollen, aber sich wie ein Parasit weiter ans Leben klammert – durchsetzt von Altnazis, die sich die Hände in Unschuld waschen und mit ihrer menschenfeindlichen Ideologie nicht mal vor den eigenen Kindern Halt machen, die aufgrund ihrer ökonomischen und politischen Macht unantastbar bleiben und fortwährend Gesellschaft prägen.

★★★★½