Gesehen: Polizeiruf 110: Kreise (2015)

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Ich hatte beim Schauen mindestens so viel Spaß, wie Christian Petzold beim Schreiben dieses Drehbuchs gehabt haben muss. Wie er den Krimi-Redakteuren der ARD-Anstalten den Mittelfinger zeigt und gleichzeitig vormacht, wie es auch funktionieren kann, das ist Unterhaltung pur.

Hier möchte ich ein paar Stellen, die mir besonders gefallen haben, herausgelöst notieren:

  • [Beim Blick auf die Menge an sichergestellten Zigaretten:] „Sind die alle vom Tatort? Muss ja ganz schön was weggeraucht haben…“ – Ja, diese Feststellung zum Tatort rauscht bei mir so ziemlich jeden Sonntag durch die Timeline.
  • Barbara Auers Kommissarin Hermann wundert sich über Matthias Brandts Kommissar von Meuffels mäandernde Fragetechnik und will wissen, ob er das auf der Polizeischule gelernt hat. Er verneint, hat seine Inspiration nämlich aus der Literatur gezogen. Dass auf der Polizeischule aka Krimi-Redaktion einer beliebigen ARD-Anstalt Kunst verachtet wird und niemand ein Gespür für feingeistigere Dialoge hat, lässt sich deutlicher kaum sagen.
  • Das unterstreicht Petzold mehrfach mit vielen kleinen Sticheleien wie dem Nachtpförtner der Polizeiwache, der im Dienst laut klassische Musik durch die biederen Bürogänge schallen lässt, während in der Welt von Hermann und von Meuffels das laute Röhren des Kaffeeautomaten Musik genug sein muss. Oder dem Zeugen, der ständig von einer Kreiswelt labert und letztlich damit eigentlich die sich bis in alle Ewigkeit wiederholenden Muster von Polizeiruf, Tatort und Co. meint. Oder von Meuffels flapsiges „Das klingt wie aus dem Internet runtergeladen“ zu Hermanns von ihrem Wissensstand aus gesehen völlig an den Haaren herbeigezogenen Theorie zum Tatablauf.
  • Die Welt deutscher Krimis ist weitestgehend genauso verengt wie der kleine Vorort, in dem Christian Petzold seinen Debüt-Polizeiruf spielen lässt. Und das findet Ausdruck in fast jeder Dialogzeile.

★★★½☆