Gesehen: Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutant Mayham (2023)

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INTO und ACROSS THE SPIDER-VERSE haben es vorgemacht, eine Tür aufgestoßen und auf der anderen Seite den Boden exzellent bestellt. Dieser Stil scheint wirklich der Way to go für bestimmte Comic-Verfilmungen zu sein. TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES: MUTANT MAYHEM ist kein Trittbrettfahrer oder billiger Abklatsch, sondern schlägt klar eine eigene, wenn auch ähnliche Richtung ein.

Die Turtles waren nie wirklich Teil meiner Kindheit, deshalb kann ich hier gar keine großen Vergleich anstellen oder mit nur hinderlicher Erwartungshaltung an den Film herangehen. Jedenfalls war ich sehr überrascht davon, wie politisch dieser Film doch ist. Der gesamten Geschichte zugrunde liegt nämlich eigentlich eine Betrachtung von (strukturellem) Rassismus. Den Turtles ist gar nicht bewusst, dass sie letztlich ausgebeutet werden und nur von Xenophobie verschont werden, solange sie im kapitalistischen Sinne Wert schaffen – hier eben auf die Superheldennummer à la Gut gegen Böse heruntergedampft, aber dadurch nicht weniger richtig. Wer nicht mehr zur Wertschöpfungskette beitragen kann, wird ausgegrenzt und verstoßen „weil er*sie sich nicht richtig integriert“.

Für viele migrantische Menschen – in sagen wir Deutschland, weil mir nunmal dieser Blickpunkt in die Wiege gelegt wurde – bliebt der feierliche Ferris-Bueller-Moment, bei dem man singend auf einem Paradewagen steht und einem alle zujubeln nunmal Utopie. Wer sich den Arsch aufreißt, wird gerade so toleriert, aber bloß nicht gelobt, wertgeschätzt oder gar gefeiert. Wer weniger als 200 Prozent gibt, ist faul und gehört abgeschoben. Dass der Film sich trotzdem der Utopie hingibt, ist letztlich dem Genre immanent und im Rahmen seiner Möglichkeiten auch gar nicht weiter schlimm.

Unterm Strich fand ich die Art Direction hier nicht ganz so stark wie in den Spiderverse-Filmen. Zu oft brechen unsaubere Renderings die Immersion und offenbaren die unschöne Polygonen-Fratze hinter dem coolen Comic-Look. Außerdem legt der Film erstaunlich bzw. erschreckend wenig Wert auf seine vier schildkrötigen Protagonisten. Viel zu spät fällt dem Drehbuch ein, dass verschiedene Maskenfarben kein ausreichendes Distinktionsmerkmal sind. Und so bleiben die Turtles eben doch sehr farblos.

★★★☆☆