Gesehen: Drii Winter (2022)

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Die Ehe als gemeinsames Fundament, auf dem zusammen etwas Neues geschaffen werden, ein progressives Moment entstehen kann – das kontrastiert DRII WINTER mit einer nicht nur örtlich, sondern auch in sich zurückgezogenen Gesellschaft, die à la Michael Haneke bereits so stark vergletschert ist, dass sie in eine Regression geraten ist, dabei jegliche Empathie hinter sich gelassen hat und an einer Existenz auf längst unfruchtbarem Boden festhält. Worte sind nur leere Hüllen ohne Bedeutung, die ausgesprochen werden, um voreinander und vor allem vor sich selbst die Fassade des Menschseins aufrecht zu erhalten. Wer keinen Beitrag zu dieser Art zu leben bereit ist zu leisten, wird endgültig entmenschlicht und wie ein krankes Nutztier entsorgt.

Strapaziert der Film diese Metapher mitunter etwas über? Vielleicht. Aber an diesem Punkt hat er sich längst in noch größere Tiefen vorgearbeitet und zeigt eine Frau, die sich nicht länger über den Wert ihres Partners für die regressive Gesellschaft definieren lassen will. „Du kannst nicht einfach so gehen. Hast du das verstanden?“, fragt sie mit bebenden Lippen den gebrochenen Mann, der ihr Leben und das ihrer Tochter zertrümmert hat. Sie lebt in einer Hölle auf Erden und will ihn darin so lange wie nötig brennen sehen.

DRII WINTER ist ein filmischer Wolf im Wolfspelz, der nie mit einfachen Schuldzusprechungen und Moralurteilen abzuspeisen versucht – unbequem, niederschmetternd, irritierend, aufwühlend.

★★★★☆