Gesehen: Judgment at Nuremberg (1961)

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

„I AM AWARE“, brüllt der fiktive Justizminister des Dritten Reiches, Ernst Janning, vor Gericht ob der Verbrechen der Nazis. In seiner Stimme schwingen zugleich mit: Schuld, Stolz, Gleichgültigkeit und Reue. Dieser Moment ist die Essenz dessen, was der Film in seinen 190 Minuten Spielzeit aus meiner Sicht versucht. Wer Nazi war/ist, ist schuldig. Wer kollaborierte, ist schuldig. Wer mitlief, ist schuldig. Wer es wusste und wegsah, ist schuldig. Wer anstiftete, ist schuldig. Wer nur Befehle ausführte, ist schuldig. Wer Reue ob seiner Taten zeigt, ist nichtsdestotrotz schuldig.

Die Entscheidung, einen fiktiven Nazi-Minister auf die Anklagebank zu setzen, wird mich sicherlich noch ein Weilchen weiter beschäftigen. Zuerst hat es mich irritiert, aber je länger der Film andauerte, desto sinnvoller kam sie mir vor. Denn ich glaube, dass es dem Werk etwas Komplexität genommen hätte, wenn wir den Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher und damit etwa Göring oder Heß gesehen hätten. Es hätte so stark geblendet, dass die verschiedenen Dimensionen der Schuld nicht mehr sichtbar gewesen wären. Damit will ich natürlich NICHT die Schuld verschiedener Nazis unterschiedlich gewichten. Ich will sagen, dass die politische Spitze der Nazis und deren Taten nicht die Schuld anderer überschatten und damit verbergen dürfen.

★★★★☆