Gesehen: 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß (2005)

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„Wer hätte es ihm denn sagen sollen?“, fragt eine von Hanns Ludins Töchtern mit Blick auf dessen angebliches Unwissen über den Holocaust. Es folgt ein Schnitt. Gezeigt wird ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie Adolf Hitler persönlich Hanns Ludin die Hand schüttelt. Dieser Moment kann sich einer gewissen Komik nicht entbehren – und lässt natürlich umgehend das „Lachen“ im Halse stecken bleiben. Es ist diese Kontrastierung, die den Kampf beschreibt, der sich in den Köpfen von Ludins Kindern dauerhaft abspielen muss.

Malte Ludin zeigt, wie diese Hirnakrobatik, diese selektive Wahrnehmung von belegten Tatsachen Folgen bis in die nächste Generation hinein hat und lässt damit nur lose erahnen, in welchem Ausmaß die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland gescheitert ist.

Selbst Malte Ludin, der hier klar an Aufarbeitung interessiert ist, der seine Familiengeschichte offenkundig angenommen hat, kämpft mit diesen kognitiven Dissonanzen – deutlich zu sehen, als er mit einem Mann spricht, dessen Familie in letzter Konsequenz auf Geheiß Hanns Ludins umgebracht wurde. In diesem Gespräch setzt er selbst, als sei es ein Automatismus, dazu an, seinen Vater als nicht in „exekutiver Verantwortung“ für den Massenmord an Juden zu beschreiben.

2 ODER 3 DINGE, DIE ICH VON IHM WEISS ist kein Film, um Geschichte zu lernen. Es ist ein Film, dem man in jeder Sekunde sein Hadern mit sich selbst, aber auch den Kampf um ein „Wie weiter“ anmerkt. Es ist ein Film, der zeigt, dass uns die mindestens einmal moralische Schuld unserer Vorfahr*innen weiterhin und auf ewig ein Ansporn sein sollte, sich wiederholende Geschichte um jeden Preis zu verhindern.