Gesehen: Sommerblüten (1958)

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Ich bin erstaunt, sprachlos und überwältigt, wie klug und feinsinnig Yasujirō Ozu immer wieder andere Facetten dieses Komplexes herausarbeitet, wie ihn die japanische Gesellschaft, die Machtverhältnisse innerhalb von Familien, Liebesbeziehungen und zwischen Geschlechtern, Geschlechterrollen sowie die komplizierte (Kriegs-)Geschichte des eigenen Landes einfach nicht loslassen.

Was mich bei SOMMERBLÜTEN jedoch richtig umgehauen hat, ist die Art und Weise, wie der Konflikt im Zentrum der Geschichte ausgetragen wird: Es wird offen miteinander gestritten, geschickt manipuliert und dem Heuchler der Spiegel vorgehalten, Menschen werden laut, die bis dato so devote Mutter begehrt völlig zu Recht gegen den dominant-herrschsüchtigen Vater auf.

Inmitten dieser Hektik verliert Ozu nie aus den Augen, wie sehr dieser Konflikt und dessen Ursachen mit der Geschichte Japans verwoben sind. Motiviert durch die Erfahrung der entbehrungsreichen Zeit des Zweiten Weltkrieges will der Vater nichts mehr als seinen beiden Töchtern ein besseres Leben schaffen – und glaubt dabei fälschlicherweise, Glück ließe sich konstruieren bzw. erzwingen.

Die Mutter hingegen findet fast schon etwas wie Trost im Gedanken zurück an den Krieg. Denn da, im Luftschutzbunker, war die vierköpfige Familie zusammen. Und doch ist es sie, die sich von der Vergangenheit lösen kann und erkennt, dass ihre Tochter frei sein muss.

★★★★½