Gelesen: „Die Einladung“ (2023) von Emma Cline

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Dieser über allem hängende Nebel der mal mehr und mal weniger diffusen Bedrohung hat mich schon gepackt. Emma Cline lässt den aus Richtung unseren Wissens über patriarchale Realitäten über ihrer Protagonistin aufziehen, spricht die Bedrohungslage jedoch nur selten explizit an. Gemischt mit der ökonomischen Abwärtsspirale, in die ihre Protagonistin offenkundig geraten ist, liegt so eine konstante Spannung in der Luft, die – im allerbesten Sinne – wahnsinnig unangenehm ist. Denn die Zukunftsvision der Protagonistin hat nur wenig mit Erlösung und Befreiung zu tun. Wer permanent auf Eierschalen laufen, eine Maske tragen und eine Rolle spielen muss, ist nicht frei, sondern eine leere Hülle aus Fleisch, die andere nach Gutdünken mit ihren Vorstellungen füllen können und werden. Sehr oft musste ich dahingehend an Bong Joon-hos meisterhaften Film PARASITE (2019) denken, in dem die Protagonist*innen zunächst in der Hoffnung auf ökonomischen Aufstieg alles daran setzen, sich unterwerfen zu dürfen und nicht erkennen, dass dabei nicht sie, sondern nur der Kapitalismus und seine Vasallen profitieren.

★★★★☆