Gesehen: Letzter Abend (2023)

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Wie dieser Film sich selbstbewusst über die Grenzen des Bildausschnittes hinwegsetzt, in den umliegenden Raum übergreift und den konsequent unter Strom setzt… Chapeau! LETZTER ABEND gehört damit, obwohl ich gar nicht so viele Vergleichswerte habe, zu den guten Corona-Filmen. Er verortet sich explizit in einem dieser Pandemie-Sommer, spielt offensiv mit den Eigenheiten dieser kurzen Momente der Unbeschwertheit zwischen den kälteren Jahreszeiten mit explodierenden Inzidenzen und lässt dann die Hölle losbrechen.

Die Anordnung des Films gleicht einem in Napalm getränkten Ameisenhaufen, der mit Hilfe einer Lupe unter gleißendem Sonnenlicht in Brand gesetzt wird. In diesem Flammeninferno kommen aufgestaute und verdrängte Gefühle sowie schmerzhafte Wahrheiten zum Vorschein. Eine Flucht ist ausschließlich nach unangenehmen, quälenden und existenziellen Entscheidungen möglich.

Der Film erzeugt immens viel Reibung und das ist prinzipiell eine sehr gute Sache. Nur sehe ich mich eher in dem Lager, das die Mittel zum Erreichen dieses Zwecks nicht immer gut ausgewählt findet. Denn eingangs fußt die Gemengelage vor allem auf sehr schablonenartiger Figurenzeichnung, derer sich der Film später zwar zunehmend entledigt, aber Geschehenes damit eben nicht vergessen machen kann.

★★★½☆