Gesehen: En kärlekshistoria (1970)

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Spannend, ich erinnere nicht, jemals einen Film gesehen zu haben, der sich im Kern mit dem schwedischen Problem der Einsamkeit und den daraus resultierenden Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit auseinandersetzt. Roy Andersson spielt dafür viele humoristische Noten, trifft aber gleichermaßen auch die ernsteren Töne und verpackt einen in die Magengrube schlagenden Alb- im Sommernachtstraum, dem die optimistische Grundstimmung jedoch nie gänzlich verloren geht. Denn dass sich junge Menschen immer noch für die Liebe entscheiden, obwohl ihnen nur deren Scheitern vorgelebt wird, ist doch ein Bild voller Hoffnung. Denn wenn man nicht nur beieinander, sondern auch miteinander ist, ist die Welt und das Leben ein bisschen besser.

Die Grenze zur Naivität überschreitet der Film dabei nie, das stellt Andersson sicher – etwa, indem er seinen Film in einer (wahrscheinlich psychiatrischen) Klinik eröffnet. Dort meint ein Patient zum anderen, dass bald alles anders werde, weil ja nun die Sozialdemokraten kämen. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Der Film erschien in einer Zeit, in der die Regierung erst kurz vorher von einem Sozialdemokraten an den nächsten weitergereicht wurde. Alles ändert sich und bleibt doch gleich. Es bleibt aussichtslos und erzeugt gleichermaßen ein wohliges Gefühl von sicherer Beständigkeit. Nur dieser eine Halbsatz des Patienten macht diese schwedische Liebesgeschichte auch zu einer gesellschaftspolitischen Kritik.

★★★½☆