Gesehen: Leave the World Behind (2023)

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Sam Esmail hat mit Mr. Robot sein Gespür für unverbrauchte Blickwinkel und unkonventionelle Bildgestaltung bewiesen – und dann mit LEAVE THE WORLD BEHIND irgendwie die komplett falschen Lehren daraus gezogen. Wer durch Kameraführung Desorientierung, Verwirrung und Chaos stiften will, muss dafür letztlich einer ausgeklügelten Choreografie folgen oder zumindest ein paar präzise ausgewählte Handgriffe anlegen. Aber hier schien die Regieanweisung gewesen zu sein, einfach Cola über die Bedienung des Kameraarms zu kippen und das zu nehmen, was die kurzgeschlossene Apparatur fabriziert. Nichts arbeitet hier auf eine Art erkennbares ästhetisches Ziel hin.

Zum thematisch in unserer Realität verankertem Kern des Stoffs – der scheinbar kollektiven Psychose einer ganzen Gesellschaft – hat das Drehbuch beschämend wenig beizutragen – keine Idee, kein neuer Raum für einen bisher noch nicht ausgetretenen Diskurspfad, nur die aufgestoßene Tür zum mehr als spärlich eingerichteten Prepper-Bunker.

Dass Akteur*innen von der Demokratie eher weniger zugeneigten Staaten sich gerne Populist*innen vor den Karren spannen, um Destabilisierung voranzutreiben und selbst an Einfluss zu gewinnen, ist keine Verschwörungstheorie, sondern belegte Tatsache. Und diese Tatsache lediglich festzustellen, ist noch kein künstlerischer Umgang damit.

Dort, wo dem Film so etwas wie Subtext gelingt, offenbart sich, wie stramm konservativ er ist, welchem engen Gesellschafts- und Weltbild er anhängt. Aber was würde sich wirklich ändern, wenn wir noch Säbelzahntiger jagen und im Handumdrehen meterhohe Feuer entfachen könnten? In der Versuchsanordnung LEAVE THE WORLD BEHIND absolut gar nichts. Dazu noch Ethan Hawkes Figur die dafür angeklagt wird, die Beschützer*innenrolle seiner Frau zu überlassen. All dem liegt eine maskulinistische Ideologie zugrunde, ein Glaube an den Jäger als Löser aller Probleme, vor denen andere die Flucht zum Central Perk oder die Sunnydale High ergreifen.

(Ich weiß, dass es eine Romanvorlage gibt. Die habe ich jedoch nicht gelesen. Nur der Film selbst kann für sich sprechen.)

★½☆☆☆