Gesehen: Unrueh (2022)

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Wie einfach immer und immer mehr Wege in und um die Gemeinde herum abgesperrt werden, weil man den Werbefotografen für den neuen Fabrikkatalog nicht vor die Linse latschen darf, fand ich so lustig Und es ist gleichzeitig eine so erfrischend unverbrauchte Metapher für das nach allem greifende Großkapital, das öffentliche Hand, Verwaltung, Legislative und Exekutive unterwandert und sich hegemoniale Ansprüche von den Bullen durchprügeln lässt.

Regelrecht besessen von Zeit ist das Großkapital in Gestalt der Uhrenfabrik, die alles daran setzt, die Zeit einzufrieren. Denn im Grunde genommen sind Fotografien genau das: ein in der Zeit eingefrorener Moment. Und dort, wo die Uhren trotzdem weiterticken, soll das wenigstens nach der fabrikeigenen Zeitrechnung geschehen. Wer festgefroren ist oder sich zumindest in fremden Bahnen bewegt, kann keinen Fortschritt wagen und die Ausbeutung hinter sich lassen.

Cyril Schäublins DENE WOS GUET GEIT (2017) hat mir schon sehr gefallen und UNRUEH fand ich noch einmal stärker, weil in seinen Ideen ausgefeilter. Ein bisschen musste ich auch – nicht zuletzt aufgrund der Themen – an Julian Radlmaier denken. Doch Schäublin inszeniert mit einem viel klareren Stilbewusstsein und wenn dann nur mit zurückhaltender ironischer Brechung.

★★★★☆