Gesehen: Blue Jean (2022)

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Rosy McEwen ist eine absolute Naturgewalt, die extrem tief in ihre Figur eintauchen kann und von dort unten zu gegebener Zeit eine emotionale Wahrhaftigkeit an die Oberfläche treiben kann, die ihresgleichen sucht. Georgia Oakley zeichnet zudem lesbische Liebe und Sexualität in ihrer Komplexität, ohne sich dabei in Klischees zu ergehen oder den Weichzeichner über gesellschaftliche und politische Realitäten des Englands der 1980er zu legen – jedenfalls soweit ich das aus meiner Perspektive beurteilen kann. Gefühlt befinden sich Filme und auch Serien aktuell nämlich in einer Phase, in der lesbische Liebe und Sexualität wieder eine sehr heteronormative Optik übergestülpt bekommen und irgendwie übergangen wird, dass es sehr wohl Butch- und Femme-Identitäten gibt. Gegen diesen Strich kämmt Oakley sehr bewusst und zurecht.

Und gerade deshalb fühle ich mich mit dieser Kritik fast schon schlecht. Aber mir fehlt bei BLUE JEAN irgendwie die Idee bzw. etwas, wonach gegriffen wird. Der Film lässt mich weder anders über die Gegenwart nachdenken, noch die Vergangenheit neu bewerten. Zu verkapselt fühlt sich der Stoff dafür an, zu halbherzig und lauwarm ist es, ein paarmal Margaret Thatchers menschenfeindliches Gelaber aus Radio- und Fernsehlautsprechern im Hintergrund trällern zu lassen.

★★★½☆