Gesehen: May December (2023)

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Ich. Liebe. Diesen. Score. Ausrufezeichen. Dessen Klavier ist ganz nah am Synth-Sound der 1980er arrangiert und lädt damit den ganzen Film nostalgisch auf – jedoch nie, um damit konkrete Bilder aufleben zu lassen, sondern dem Publikum ein wohlig warmes Bad mit dem Gefühl des Altbekannten einzulassen, dadurch ein Gefühl der Sicherheit zu konstruieren. Form und Inhalt gehen hier eine perfekte Symbiose ein, sehen sich die Figuren doch oft dazu angehalten zu betonen, dass der ganze „schlechte“ Kram jetzt hinter ihnen liegt und man einfach nur sein Leben weiterleben möchte – was nicht viel mehr als pseudonostalgische Verklärung der Gegenwart ist.

Nach meinem Dafürhalten ist das alles auch hervorragend gespielt – allen voran natürlich die Beziehung der Figuren von Julianne Moore und dem für mich in seinem stoischen Spiel trotzdem umfassenden Ausdruck findenden Charles Melton, in der viel impliziert und wenig ausgesprochen ist. Lange lässt sich der Film Zeit das zwar Logische, aber dadurch nicht weniger Kraftvolle aus den Tiefen an die Oberfläche zu treiben.

Wir lernen Charles Meltons Joe immer mehr als jemanden kennen, der nie erwachsen werden und emotional reifen konnte – das jedoch auch nicht problematisieren kann, weil ihm dafür der Erfahrungshorizont fehlt. Das Problematische ist für ihn Normalität und sie sorgt dafür – ob nun bewusst oder nicht –, dass das auch so bleibt. Dazu lässt sich der Film erst gar nicht auf überpsychologisierende Erklärungs- bzw. Rechtfertigungsmuster ein, sondern lässt eigentlich nur ein klares Urteil zu.

Natalie Portmans Elizabeth ist eine Schauspielerin, die Julianne Moores Gracie besonders nahe kommen will. Doch letztlich ist es Gracie, die Elizabeth unterbewusst in ihr Ebenbild verwandeln will, sich so alterstechnisch auf Augenhöhe mit Joe zu begeben, sich von ihrer Schuld reinzuwaschen (und das eigentliche Problem weiterhin zu verkennen).

★★★★☆