Kinotagebuch: Rope (1948)

Wer hätte gedacht, dass ich einen Hitchcock nochmal im Kino sehe… Danke an die Cinémathèque dafür und auch für das „Begleitprogramm“ mit Jens Wawrczeck aka Peter Shaw von Die drei ???, der mit How to Hitchcock über seine Liebe für dessen Filme geschrieben hat und offenbar nun mit Lesebrille und Filmen im Gepäck durch die Republik zieht.

📸 Tolles Beweisfoto vom hohen Besuch

Zugänglich, unterhaltsam, spannend – diese Gratwanderung beherrscht Hitchcock einfach. ROPE ist da keine Ausnahme und super gecastetes Kino. Es ist ein gekonntes (Kammer-)Spiel mit den Konventionen eines Whodunits. Durch die für 1948 überaus dynamische und immer elegante Kamerabewegung wird auch der Raum zu einem effektiven wie verführerischen Suspense-Werkzeug.

Eine Kritik an der Überheblichkeit und Hybris einer sich selbst als Elite wahrnehmenden Schicht schwimmt sicherlich ziemlich präsent an der Oberfläche des Stoffes und wabert so immer wieder mal in den Fokus. Doch letztlich interessiert sich Hitchcock kaum für die vermeintlich niederen Schichten, was dem Ausdruck dieser Kritik etwas den Wind aus den Segeln nimmt.

Viel interessanter waren für mich die letzten im Film gesprochenen Sätze, die sich über das Schichtendenken hinwegsetzen, die Menschheit grundsätzlich anklagen und die große Moralfrage stellen – ganz unabhängig von sozialer Stellung, ökonomischen Verhältnissen oder ästhetischer Betrachtungen.

★★★★☆