Gesehen: Der Geschmack von grünem Tee über Reis (1952)

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Herrlich, mit wie viel Witz, Charme, Tempo und Schlagfertigkeit Yasujirō Ozu die Kräfteverhältnisse innerhalb einer Ehe verhandelt. Dass die ziemliche Schlagseite haben, wird schnell klar. Die Frauen müssen ein elaboriertes Lügenkonstrukt errichten, nur um mal ungestört mit ihren Freundinnen auf Tour gehen zu können. Währenddessen wähnen sich die Männer als über den Dingen stehende Taktangeber, verspielen aber gleichzeitig bei Hunderennen und Pachinko ihr Geld und denken, „Peanut“ ist das englische Wort für „Wanze“. Was sich jedoch immer deutlicher hervortut: Es sind die Frauen, die das Kartenhaus vorm Einsturz bewahren und den Laden am Laufen halten – sei es in der Ehe oder als Hausbedienstete, ohne die die Männer wohl verhungern würden.

Was mich angesichts der Entstehungszeit und dem gesellschaftlichen Kontext des Films sehr beeindruckt hat: Ozu bringt hier extrem vage angedeutet eine Affäre der Frau ins Spiel – also jedenfalls einen Moment, der sich so lesen lässt. Jedoch verweigert sich Ozu einem Moralurteil und verwebt den Moment der scheinbaren Untreue elegant mit dem Erkenntnisprozess der Figuren, macht ihn zu einer wichtigen Zwischenetappe auf dem Weg zu einem verständnisvolleren Miteinander.

Als Zuschauer*in ist es zudem unmöglich, sich nicht zu den Themen des Films zu verhalten. Denn Ozu lässt in Dialogen viele Figuren direkt in die Kamera blicken und so die eigentlich an das Gegenüber gerichteten Fragen direkt an das Publikum richten. Die Figuren hinterfragen das Verständnis von Geschlechtergerechtigkeit und Verhalten innerhalb von Beziehungen sowie die Moral des Publikums. Clever.

★★★★☆