Gesehen: Obeť (2022)

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Es ist wirklich gut, wie dieser Film den strukturellen Antiziganismus und den Fremdenhass per se herausarbeitet, wie sich diese Grundüberzeugungen durch alle Schichten und Lager ziehen und wie sie genutzt werden, um den Menschen ohne ökonomische Perspektive Sündenböcke hinzustellen und sich so selbst aus der Verantwortung zu ziehen. Außerdem ist zu sehen, was passiert, wenn Wahrheit keine Rolle mehr spielt und nur die überzeugendste Erzählung, den am meisten resonierenden Vibe erzeugt, zählt. Davon profitieren letztlich nur rechte Demagog*innen, die tragische Momente für ihre Zwecke missbrauchen und umdeuten.

Gleichzeitig zeitlos, aktueller denn je und zudem noch ziemlich clever ist die Art und Weise, wie der imperialistische Allmachtsanspruch Russlands mit nur einer einzigen Geste – dem Geschenk eines Sporttrikots in den Farben der russischen Flagge – verwoben wird. Es verortet (zumindest politisch) die Strippenzieher*innen und nutzt dafür geschickt eines der in der Vergangenheit wichtigsten Propagandawerkzeuge Russlands: den Sport.

Mein größter Kritikpunkt am Film ist die Distanz, die er stets zu seinen Figuren und deren Politik wahrt. Letztlich bleibt er so zu weit weg, um Milieustudie zu sein. Zu weit weg, um Porträt einer Mutter zu sein. Zu weit weg, um der strukturellen Xenophobie wirklich auf den Grund gehen zu können.

★★★½☆