Gesehen: Weizenherbst (1951)

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Yasujirō Ozu ist einfach ein Meister darin, dem alltäglichen Leben mit all seiner Melancholie, mit den kleinen schönen Momenten und der lauernden Unsicherheit, mit der Liebe in Familie und Freund*innenschaften Gestalt auf der Leinwand zu verschaffen. Dazu Setsuko Hara, die mit Ozus Stoffen eine perfekte Symbiose eingeht, durch die der Filmemacher sein Ansinnen kanalisieren kann.

Denn wie kann ein postfaschistisches Japan keine zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges weiter in solch einer starren, sich auf Traditionen und Etikette berufende Gesellschaft leben? Wie können derartige patriarchale Denken weiter unangefochten bestehen bleiben? Wie gelingt die Emanzipation von der Diktatur des unmenschlichen Denkens? Damit setzt sich Ozu über Setsuko Haras Figur Noriko, die das explizit sowie implizit verhandelt, auseinander.

Auf formaler Ebene wird mit unzähligen Feinheiten gearbeitet. Da gibt es den kleinen Jungen, der bei dem vermeintlich tauben Bruder seines Opas trotz lauten Schreiens scheinbar kein Gehör mehr findet, so den sinnbildlichen Bruch zwischen den Generationen verkörpert. Oder Norikos Vater, der zunächst unzufrieden mit Norikos letztlicher Ehemannsauswahl etwas resigniert über die Straße schlurft und von der vor ihm herunterkommenden Schranke am Bahngleis zum Stillstand gezwungen wird, ihm und damit sinnbildlich seinem Denken Einhalt geboten wird.

Und doch bleibt Ozus Film bis zuletzt von grenzenloser Empathie und Liebe getrieben. Ein herausragendes Werk.

★★★★½