• Mein Medienmenü – Woche 07/2024 & Hello Tomorrow!

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    Das wars, meine Gratismonate Apple TV+ sind vorüber. Auf den letzten Metern habe ich noch die erste Staffel Hello Tomorrow! mit Billy Crudup durchgeschaut. Zu Release gab es lediglich lauwarme Kritiken, aber mir haben die zehn Episoden gefallen. Ich habe einfach einen Soft Spot für Retrofuture. Dass mein kritisches Auge noch funktioniert, habe ich dann direkt bei High Desert bemerkt. Die Zeit hätte noch für alle Episoden gereicht, aber ich konnte mich einfach nicht dazu bringen. Ich mag Patricia Arquette wirklich sehr, aber das ist wirklich auf ganzer Linie erzwungener Quatsch.

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    Serien

    Bücher

    Podcasts

  • Gesehen: Die bleierne Zeit (1981)

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    Vielleicht sollte ich es aufschreiben. Ich bin gewöhnt zu vertrauen, nicht zu fragen.

    Margarethe von Trottas DIE BLEIERNE ZEIT hat viele starke Sätze im Angebot, aber keiner hallt so stark nach wie dieser und erzählt so viel über die gescheiterte Entnazifizierung, die Rolle der Medien, die gefühlte Ohnmacht ob der Verbrechen der Deutschen und radikale Lösungen.

    ★★★★☆

  • Gesehen: Between the Lines (1977)

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    Die Party ist vorbei. Aber war es wirklich jemals eine Party? BETWEEN THE LINES ist fast 50 Jahre alt und zeigt, dass Zeit ein flacher Kreis ist. Journalismus wird nur so lange als unabdingbar für die Demokratie und eine freie Gesellschaft betrachtet, wie er sich selbst tragen kann, Medienkonzerne sich ihn leisten wollen, weil er Gewinn abwirft. Doch wenn sich der ökonomische Wind dreht, wird kritischer und unabhängiger Journalismus schnell auf die Schlachtbank der sogenannten Shareholder gezerrt. Es ist damals wie heute absurd, dass Menschen, die sich für diesen Beruf und damit einhergehende radikale Einschnitte bei Freundschaften, Beziehungen und Freizeit, entscheiden, wie Nutztiere behandelt werden.

    ★★★½☆

  • Gesehen: Pauline à la Plage (1983)

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    Für mich kreist der Film um diese eine wunderbare Szene, in der Marion, Pierre, Henri und Pauline zum ersten Mal zusammensitzen und sich über die Liebe unterhalten. Während die Erwachsenen versuchen, jede noch so kleine Gefühlsregung zu intellektualisieren, allem möglichst philosophisch zu begegnen und Liebe, Lust und Verlangen mit klaren Regeln eine gewisse Logik aufzuzwingen, sitzt Pauline fast schon gelangweilt herum und schweigt weitestgehend. Was dann jedoch immer klarer wird: Sie tut das nicht, weil sie zu naiv oder unwissend ist. Sie tut das, weil sie als einziger Mensch im Raum sowohl einen klaren Verstand als auch ein klares Herz hat.

    ★★★★☆

  • Gesehen: Stars at Noon (2022)

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    Ich bin immer wieder fasziniert und beeindruckt von Claire Denis’ unablässigem und unermüdlichem Bohren in kolonialen Vergangenheiten und neokolonialistischen Verbrechen. Ich kenne niemanden, der sich dieser Themen mit solch großer Ruhe und Zurückhaltung, so elegant, feinsinnig und klug annimmt – immer mit dem scharfen Blick auf großkapitalistische Konzerne und staatliche Akteur*innen, die politische Instabilität ausnutzen, um Mensch und Boden nahezu ungestraft auszubeuten sowie ihre nicht demokratisch legitimierte Macht weiter auszubauen – in STARS AT NOON auf dem regelrechten Spielfeld Zentralamerika und in gewohnt melancholischem Dahinplätschern.

    ★★★★☆

  • Gesehen: Favolacce (2020)

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    Ich habe mich dabei ertappt, wie ich innerlich ein paar Mal „italienische Ruben Östlund hehehehe“ zu mir selbst gesagt habe. Und damit ist eigentlich schon klar, dass auch FAVOLACCE ein Stoff ist, an dem sich die Geister schieden und scheiden. Der Film ist bitterböse, gnadenlos und konsequent abrechnend – wie man eben mit neoliberalen Arschlöchern mit Hang zum Faschismus umgehen muss. Das ist der gute Östlund.

    Darin ist der Film nur überaus selbstgefällig und suhlt sich darin, mit dem Zeigefinger gehässig auf die Spitze des Eisbergs zu deuten. Doch Kritik an den Ursachen dieser Missstände, an den gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Verhältnissen, die übt der Film nicht. Das ist der schlechte Östlund.

    ★★★☆☆

  • Wiedergesehen: King Kong (2005)

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    Den habe ich damals™ im Kino und seitdem nie wieder gesehen. Mein letzter Eindruck stammt also noch aus einer Zeit vor meiner cineastischen Erweckung. Damals fand ich den Film eher mittelmäßig. An die Gründe dafür kann ich mich jedoch nicht mehr erinnern. Also kann ich nun nahezu jungfräulich sagen: Auch heute finde ich KING KONG eher mittelmäßig.

    Das Grundmotiv des überheblichen Menschen, der sich an der Spitze von Natur sowie Nahrungskette glaubt und deshalb meint, sich alles erlauben sowie unterwerfen zu können, ohne Konsequenzen alles und jede*n ausbeuten zu können, das ist zeitlos zutreffend und funktioniert für mich im Rahmen dieses Blockbusters auch ganz gut. Auf den Punkt ist auch, dass der letzte Satz des Films einer Frau die Schuld an der ganzen Misere zuschiebt.

    Was wiederum super befremdlich ist, ist die Reproduktion von Rassismus. Dem Film fehlt eindeutig Abstand zu seinem 1933er Ausgangspunkt. Denn er steht diesen Momenten praktisch niemals wirklich kritisch gegenüber. Es muss also davon ausgegangen werden, dass man sich bei der Produktion entweder keine Gedanken darüber gemacht oder sich sogar bewusst dafür entschieden hat. Beide Varianten sind schlecht.

    Sich jetzt auch noch an der völlig überzogenen Länge des Films aufzuhängen, wirkt fast kleinlich. Aber KING KONG kommt einfach nicht auf den Punkt, bläst jeden der drei Akte mit derart viel Popanz auf, dass die Figuren sprich- und wortwörtlich an den Rand gedrängt werden und gar keinen Raum mehr haben, um mit den Themen des Films wirklich in Verhandlung treten zu können. Dazu klammert sich der Film mit aller Kraft an seine Drei-Akt-Struktur – so sehr, dass wenig organisch in sich greift, sondern lediglich mechanisch aneinandergereiht wird.

    ★★½☆☆

  • Gesehen: BlackBerry (2023)

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    Ich finde, dass sich BLACKBERRY nicht so richtig entscheiden kann, ob er nun Satire oder Charakterstudie sein will. Das lässt die dramatischen Momente oft unfreiwillig komisch wirken, während die tatsächlichen Figuren nur selten hinter ihren üppigen Masken hervorscheinen. Aber die Masken – des zügellos cholerischen Glenn Howerton, des unterwürfigen Jay Baruchel und des treudoofen Matt Johnson – machen BlackBarry zumindest zu knalligem Unterhaltungskino.

    Letztlich steht sich der Film oft selbst im Weg. Eine kapitalismuskritische Underdog-Story gerät nämlich schnell an ihre Grenzen, wenn letztlich ein Konzern der Underdog ist. Spannend wurde es für mich, nachdem genug Schichten geschält waren und diese eine Frage übrig blieb: Hätte es technische Innovation in der Geschwindigkeit, die wir in den vergangenen 20 Jahren erlebt haben, überhaupt ohne Andocken an ein erbarmungslos turbokapitalistisches System gegeben oder überhaupt geben können? Darüber nachzudenken, ist wahnsinnig unangenehm. Denn einerseits hat uns diese Innovation einen Zugang zum Weltwissen in die Hosentasche gelegt, andererseits sind diese Technologien eng mit dem globalen Kapitalismus, der unseren Planeten gerade mit Vollgas vor die Wand fährt, verknüpft.

    Ich kann mich also an BLACKBERRY gewinnbringend und nicht stumpf und sinnlos provoziert reiben. Und das ist in meinen Augen immer ein Pluspunkt.

    ★★★☆☆

  • Mein Medienmenü – Woche 06/2024 & Backen

    Statistisch betrachtet habe ich mehr als einen Film pro Tag geschaut, ein ordentliche Serien-Pensum hinter mir, gelesen und auch eine ordentliche Menge Podcasts gehört. Das lässt sich nämlich besonders gut beim Backen machen. Das habe ich irgendwie für mich entdeckt. Ich bin ein überaus lausiger Bäcker und selbst einfachste Rezepte müssen mir erstmal gelingen. Aber gerade habe ich damit richtig viel Spaß und eine für mich neue Art der hobbymäßigen Stimulation gefunden. (Vielleicht teile ich hier irgendwann auch mal ein paar Ergebnisse. Vorher übe ich aber noch ein bisschen 😅)

    Filme

    Serien

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  • Kinotagebuch: Reality (2023)

    Als Stilübung sicherlich halbwegs interessant und politisch sowieso wichtig. Aber für mich wollte REALITY unterm Strich zu nichts überaus Stimmigem zusammenkommen. Die strenge Text- und ich nehme an auch Tonfalltreue lassen den Film wie Marionettentheater wirken. Alles spricht und bewegt sich wie auf Schienen, das Warten der Figuren auf ihren jeweiligen Einsatz liegt dröhnend über allem.

    Jedoch gelingt über diese durch Form erzeugte Strenge auch etwas: Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Effekt des hier abgebildeten Prozesses wird unübersehbar. Der angebliche Schutz der Demokratie erreicht in seiner Rigorosität paradoxerweise das genaue Gegenteil. Aber die Zahnräder im System kennen nur eine Richtung und unverrückbare Prinzipien. Wer die Richtung überdenken oder auch nur leicht das eigene Drehmoment ändern will, bringt das komplette Getriebe zum Kollaps.

    Wer Whistleblower*innen keinen Schutz gewährt und eine unabhängige kritische Presse zu Steigbügelhalter*innen der Demokratiefeind*innen erklärt, wird selbst zur Demokratiefeind*in.

    ★★½☆☆